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Welche Grenzen müssen Unternehmen wie Netflix beim KI-Training mit Stimmaufnahmen beachten? Das klären wir am Fall von Synchronsprecher Matti Klemm gerichtlich. Mach es möglich. Wer Streaming nutzt, kennt den monatlichen Abo-Preis. Spende jetzt einen 13. Abo-Monat! Für Matti und für alle, deren Stimme ohne ihr Wissen genutzt werden könnte.

ℹ️ Deine Spende ist steuerlich absetzbar. Sie unterstützt Verfahren wie dieses zum Recht auf die eigenen Daten, zur Berufs- und Kunstfreiheit sowie zu Persönlichkeitsrechten im Kontext von KI und die weitere Grundrechtsarbeit der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF).

DAS ERMÖGLICHST DU MIT DEINER SPENDE:

Unser Jurist und Verfahrenskoordinator Davy Wang will Mattis Rechte vor Gericht durchsetzen. Er arbeitet die grundrechtlichen Fragen auf und entwickelt gemeinsam mit Matti und seinen Rechtsanwält*innen von Spirit Legal die Verfahrensstrategie. Wir wollen die Klage mit Matti Klemm Ende 2026 einreichen.

Im Mittelpunkt stehen sein Persönlichkeitsrecht und sein Recht auf seine eigenen Daten: Seine Stimme ist ein höchstpersönliches Merkmal. Er muss wissen, was mit seinen Stimmdaten geschieht, und über deren Nutzung mitentscheiden können. Konkret wollen wir erreichen:

  • Auskunft über die Verarbeitung: Netflix muss offenlegen, in welchem Umfang Mattis Stimmdaten verwendet und welche KI-Systeme damit trainiert wurden. Die bisherige Antwort bestätigt die Nutzung. Sie erklärt aber noch nicht ausreichend, was genau mit seinen Daten geschehen ist.
  • Unterlassung der Nutzung: Netflix soll gerichtlich verpflichtet werden, Mattis Stimmdaten nicht weiter für das Training seiner KI-Systeme zu verwenden.
  • Schadensersatz: Wir wollen gerichtlich feststellen lassen, dass Matti wegen der rechtswidrigen Nutzung seiner Stimmdaten ein Anspruch auf Schadensersatz zusteht. Diese Klärung kann anderen Betroffenen helfen, vergleichbare Ansprüche geltend zu machen.

Grundrechte vor Gericht durchzusetzen, braucht eine sorgfältige Vorbereitung der Klage, viel juristische Expertise und einen langen Atem. Eine Klage durch alle Instanzen kann Kosten im sechsstelligen Bereich mit sich bringen. Deine Unterstützung hilft uns, Betroffene zu begleiten, die Rechtsfragen aufzuarbeiten und geeignete Verfahren zu führen. Dazu können auch weitere Fälle von Menschen gehören, die bereits KI-Vertragsklauseln unterschrieben haben.

Wie Matti Klemm von der Nutzung seiner Stimme erfuhr

Matti Klemm hat die neuen KI-Trainingsklauseln in seinem Vertrag mit dem deutschen Synchronstudio nicht unterschrieben. Damit hätte er dem Studio erlaubt, seine Stimmdaten für das ausdrücklich genannte KI-Training von Netflix zu nutzen. Aber schon zuvor hat Netflix seine Stimmdaten ohne Vertragsgrundlage und ohne sein Wissen oder seine Einwilligung für KI-Training genutzt. Davon erfuhr er, nachdem er Auskunft über die Verwendung seiner Daten verlangt hatte.

Matti Klemm

Synchronsprecher, spricht u.a. Jason Momoa und Benjamin Blümchen

Netflix trainiert mit meiner Stimme eine KI und ich befürchte, dass diese meine Arbeit übernehmen soll. Das lasse ich mir nicht gefallen! Ich möchte mit eurer Unterstützung einen Präzedenzfall schaffen. Damit unsere Stimmen, Bilder oder Texte nicht einfach ohne unsere Zustimmung genutzt werden, um eine KI zu trainieren, die uns ersetzen soll.

Warum Kunstschaffende das Verfahren unterstützen

Hunderte Synchronsprecher*innen haben sich dieses Jahr zusammengeschlossen, um für ihre Stimmen und ihre berufliche Zukunft einzustehen. Im Februar unterstützten mehr als 2.100 Menschen ihre Spendenkampagne für ein erstes juristisches Gutachten. Das hat gezeigt: Sie stehen mit ihren Sorgen nicht alleine.

Die Initiative aus der Synchronbranche macht die Bedeutung des Konflikts für die unmittelbar Betroffenen sichtbar. Die GFF greift den Fall auf, um die dahinterstehenden grundrechtlichen Fragen zu klären und die rechtlichen Erkenntnisse auch anderen Betroffenen zugänglich zu machen.

Das sagen Synchronsprecher*innen und Kunstschaffenden, die solidarisch hinter der Klage von Matti Klemm stehen – denn es geht auch um ihre Grundrechte:

Porträt von Name Foto: Ranja Bonalana

Ranja Bonalana

„Dieser Kampf betrifft nicht nur ein paar Synchronsprechende, sondern uns alle! Wir können nicht zulassen, dass Tech-Unternehmen uns Menschen aus allen Bereichen verdrängen und unsere Daten zu ihrem Eigentum machen, um daraus Profit zu schlagen“

spricht u.a. Renee Zellweger, Sarah Chalke, Rachel McAdams
Katrin Fröhlich Foto: Katrin Fröhlich

Katrin Fröhlich

„Es ist nicht nur ein Kampf der Kunstschaffenden. Es betrifft uns als Gesamtgesellschaft. Das muss jedem bewusst sein!“ - Katrin Fröhlich.“

spricht u.a. Cameron Diaz, Gwyneth Paltrow, Kate McKinnon
Anne Helm Foto: Ben Gross

Anne Helm

„Wir kämpfen nicht nur für uns, sondern auch für die Anerkennung der Arbeit aller anderen Kreativen.“

spricht u.a. Margot Robbie, Anna Kendrick, Ludivine Sagnier
Sven Hasper Foto: Sven Hasper

Sven Hasper

„KI ist toll. Für manche mehr, für manche weniger. Aber wenn sie illegal gefüttert wird, ist sie für keinen toll. Am allerwenigsten für die Betroffenen.“

spricht u.a. Andrew Scott, Jake Gyllenhaal, Tobey Maguire
Maris Rauch Foto: Maris Rauch

Maris Rauch

„Wenn Firmen KI nutzen, kann ich nur jedem raten zu kündigen – das ist eine widerliche Aneignung.“

Bildene Künstlerin
Martin Umbach Foto: Bernd Brundert

Martin Umbach

"Der globale Raubzug, den die KI- Giganten am geistigen und künstlerischen Schaffen der Menschheit begehen, scheint unaufhaltsam zu sein. Das kann und will ich nicht hinnehmen. Wir brauchen endlich Gesetze und Entscheidungen, die diesem Kannibalismus Einhalt gebieten."

spricht u.a. Russel Crowe, Kenneth Branagh, Jeff Goldblum
Patrich Wincewski Foto: Patrick Wincewski

Patrick Wincewski

„Der Welle die Stirn bieten, sich nicht überschwemmen lassen, sich nicht mundtot machen lassen. Dem KI-Tsunami Gegenwind machen, damit das Kreative und unsere Stimmen eigentlich und zugehörig und gehört bleiben.“

spricht u.a. Tom Cruise, Hugh Grant, Gabriel Macht
Santiago Zismer Foto: Santiago Zismer

Santiago Zismer

„Viele von uns sehen die Gefahr einer unkontrollierten KI-Entwicklung schon seit langer Zeit wachsen und auf uns zukommen. Vielleicht haben wir zu lange gewartet, entsprechend zu reagieren. Aber nun ist es an der Zeit, Haltung zu zeigen und ein Zeichen zu setzen. Und wir hoffen auf eure Unterstützung!“

spricht u.a. Spongebob, Steve Buscemi, Ferkel (aus Winnie-Puuh)

Wie funktioniert eine strategische Klage?

Die GFF ist die Rechtsschutzversicherung für das Grundgesetz. Wir führen strategische Klagen, die Grundsatz-Entscheidungen herbeiführen – für Menschen, deren Grundrechte verletzt werden. Mit diesen Verfahren greifen wir also Fälle auf, an denen sich grundlegende Rechtsfragen klären lassen. Die daraus gewonnenen rechtlichen Maßstäbe können über den Einzelfall hinaus Orientierung geben und anderen Betroffenen die Durchsetzung vergleichbarer Grundrechte erleichtern. Die wesentlichen grundrechtlichen Erkenntnisse aus dem Verfahren bereiten wir öffentlich auf, damit auch andere Betroffene sie nutzen können.

Mit deiner Spende können wir durchsetzen, dass Menschen über die Nutzung ihrer persönlichen Daten mitentscheiden können – auch beim Training von KI. Denn wenn die eigene Stimme oder Arbeit ohne Zustimmung genutzt wird, um Systeme zu entwickeln, die diese Arbeit ersetzen sollen, steht viel auf dem Spiel: Es geht um das Recht über die eigenen Daten zu bestimmen, um die Berufs- und Kunstfreiheit.

Mit einer strategischen Klage bringen wir solche grundlegenden Fragen anhand eines konkreten Falls vor Gericht. Unser Ziel ist eine rechtliche Klärung, die auch anderen Betroffenen hilft. Am Beispiel Netflix gehen wir diese Frage jetzt an.

Wir wollen einen Präzedenzfall schaffen, auf den sich andere Betroffene stützen können.
Eine gerichtliche Entscheidung könnte ihnen helfen, vergleichbare Ansprüche durchzusetzen. Eine gerichtliche Entscheidung kann rechtliche Maßstäbe dafür schaffen, welche Voraussetzungen notwendig sind, um persönliche Stimmaufnahmen für KI-Training verwenden zu dürfen. Wir wollen insbesondere klären lassen, wie Transparenz, die Rechtsgrundlage der Verarbeitung und gegebenenfalls eine wirksame Einwilligung gestaltet sein müssen.

Davy Wang

Volljurist und Verfahrenskoordinator bei der GFF

Wir klagen, damit Menschen selbst entscheiden können, was mit ihrer Stimme und ihrer Arbeit geschieht.

Welche Grundrechte sind betroffen?

  • Persönlichkeitsrechte und informationelle Selbstbestimmung: Die eigene Stimme ist ein individuelles Merkmal jedes Menschen und Teil seiner Identität. Daher ist sie vom allgemeinen Persönlichkeitsrecht geschützt. Gleichzeitig sind Aufnahmen der eigenen Stimme persönliche Daten, über die jeder Mensch selbst bestimmen darf. Wer seine Stimme für eine Synchronproduktion aufnehmen lässt, gibt damit nicht automatisch jede weitere Nutzung frei. Wird sie ohne Wissen der Betroffenen für KI-Training verwendet, können sie darüber nicht mitentscheiden. Ohne ausreichende Auskunft bleibt außerdem unklar, was genau mit ihren Daten geschieht. Wir wollen die Grenzen einer Weitergabe und Verarbeitung klarziehen lassen und die Rechte der Betroffenen durchsetzen.
  • Berufsfreiheit: Synchronsprecher*innen leben von ihrer Stimme und ihrer schauspielerischen Arbeit. Wird diese Arbeit genutzt, um Systeme zu trainieren, die sie künftig ersetzen sollen, betrifft das ihre berufliche Zukunft. Viele sind zugleich auf die Aufträge angewiesen und können es sich wirtschaftlich kaum leisten, neue KI-Klauseln abzulehnen. Vergleichbare Konflikte entstehen auch in anderen kreativen Berufen: im Journalismus, in der Fotografie oder dem Schauspiel. Wir wollen klären lassen, welche rechtlichen Grenzen unter diesen Bedingungen gelten.
  • Kunstfreiheit: Eine Figur zum Leben zu bringen, verlangt mehr als das Vorlesen eines Textes. Sprecher*innen setzen Pausen, treffen einen Ton, vermitteln Humor und Gefühle. Diese künstlerischen Entscheidungen stecken in den Aufnahmen, mit denen KI trainiert wird. Wenn solche Systeme menschliche Arbeit ersetzen sollen, verändert das die Bedingungen, unter denen Menschen Kunst schaffen können. Das betrifft auch Musik, Bilder und Texte. Wie die Kunstfreiheit bei der Verwendung solcher Aufnahmen für KI-Training zu berücksichtigen ist, ist gerichtlich nicht geklärt. Auch hier setzt unser Verfahren an.

Diese Rechte gehen uns alle an. Wir wollen sicherstellen, dass Menschen die Kontrolle über ihre persönlichen Daten behalten. Für die Betroffenen kann die Nutzung ihrer Stimmaufnahmen erhebliche persönliche und berufliche Folgen haben. Die GFF nimmt diesen Konflikt zum Anlass, die rechtlichen Grenzen einer solchen Datennutzung klären zu lassen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Transparenz und informationelle Selbstbestimmung auch gegenüber Unternehmen wirksam gewährleistet werden können.

Noch Fragen?

Ist meine Spende steuerlich absetzbar?

Ja. Die GFF ist als gemeinnützig anerkannt. Ab einem jährlichen Gesamtbetrag von mehr als 300 Euro senden wir dir automatisch im ersten Quartal des Folgejahres eine Sammel-Zuwendungsbestätigung zu. Für Beiträge bis 300 Euro genügt dem Finanzamt dein Überweisungsbeleg als Spendennachweis.Wenn du deine Zuwendungsbestätigung bereits früher oder unabhängig davon benötigst, melde dich gerne jederzeit bei uns per E-Mail an info@freiheitsrechte.org.

Kann die GFF auch Menschen unterstützen, die bereits Verträge zur KI-Nutzung unterschrieben haben?

Auch solche Fälle können für unsere Grundrechtsarbeit infrage kommen. Ob eine Klage dazu beitragen kann, zusätzliche Grundsatzfragen juristisch klären zu lassen, muss im Einzelfall geprüft werden. Eine Unterstützung können wir deshalb nicht pauschal zusagen.

Was kann die Klage für andere Kreativschaffende verändern?

Wir wollen einen Präzedenzfall schaffen, der anderen Betroffenen hilft, sich gegen die Grundrechtsverletzung zu wehren. Wie weit ein Urteil wirkt, hängt von der Entscheidung und dem jeweiligen Fall ab.

Warum gibt es kein festes Spendenziel?

Die Kosten hängen vom Verlauf und den jeweiligen Instanzen des Verfahrens ab. Eine Klage durch alle Instanzen kann Rechtskosten im sechsstelligen Bereich verursachen. Der genaue Betrag ist nicht abzusehen. Jeder Euro hilft uns, auch ein langes Verfahren führen zu können.

Wie finanziert sich die GFF?

Wir nehmen keine Förderung von staatlichen Stellen an. Wir erhalten für einzelne Projekte Förderungen von Stiftungen. Diese Fördermittel können wir aber nicht flexibel beispielsweise für Klagen einsetzen. Deshalb sind wir auf das Engagement unserer Spender*innen und Fördermitglieder angewiesen.

Grundrechte verteidigen.