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Ein Klick – schon ausspioniert: GFF erstattet gemeinsam mit dem Journalisten Trung Khoa Lê Anzeige nach Spyware-Angriff

Berlin, 28. Mai 2026 – Die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) hat heute gemeinsam mit dem deutsch-vietnamesischen Journalisten Trung Khoa Lê wegen eines versuchten Spyware-Angriffes Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Lê gibt aus Deutschland die wichtige vietnamesische Nachrichtenseite Thoibao.de heraus. Die mutmaßlich aus dem Ausland operierenden Angreifer*innen hatten über die Plattform X erfolglos versucht, eine Spionagesoftware auf seinem Laptop und seinem Handy zu installieren.

Wäre der Angriff gelungen, hätten die Täter*innen auf die gesamte Kommunikation sowie alle dort gespeicherten Daten zugreifen können. Ein solcher Angriff stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen dar. Außerdem verletzt er das Grundrecht auf Vertraulichkeit und Integrität digitaler Geräte (das sogenannte IT-Grundrecht) sowie das Fernmeldegeheimnis. Im konkreten Fall verletzen die Täter*innen zudem den Quellenschutz. Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger*innen vor solchen Angriffen zu schützen.

„Seit zweieinhalb Jahren ist bekannt, dass ich mit Spyware attackiert wurde“, sagt Trung Khoa Lê. „Bisher hat niemand auch nur ermittelt – oder gar die Täter*innen zur Rechenschaft gezogen. Deswegen habe ich nun Strafanzeige erstattet.“

Trung Khoa Lê berichtet seit Jahren kritisch über die Politik der vietnamesischen Regierung. In der Vergangenheit war er bereits zahlreichen Angriffen auf seine Person ausgesetzt und steht nach Morddrohungen unter Polizeischutz. Um Zugriff auf seine Geräte zu bekommen, hinterließen die Angreifer*innen im Februar 2023 eine Antwort unter einem Beitrag des Thoibao-Accounts auf X.

Die öffentliche Antwort enthielt neben einem inhaltlichen Kommentar auch einen vermeintlich weiterführenden Link. Hätte Lê auf den Link geklickt, hätte Spyware seine Geräte infiltriert. Expert*innen von Amnesty International haben den Angriff forensisch untersucht und dabei unter anderem festgestellt, dass die Täter*innen die Spyware Predator des Anbieters Intellexa genutzt haben. Diese Art von Spyware nutzt Sicherheitslücken in Software-Systemen aus.

Ziel der Strafanzeige ist es, dass die Staatsanwaltschaft und Polizei in Berlin den Angriff aufklären und die Täter*innen ermitteln. Sie sind verdächtig, sich der versuchten Verletzung der Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes schuldig gemacht zu haben. Die Attacke war kein Einzelfall: Vor allem Aktivist*innen und Journalist*innen sind massiv von digitalen Spionageangriffen aus dem Ausland betroffen. Das gefährdet die Meinungs- und die Pressefreiheit – auch in Deutschland.

„Spyware-Angriffe bedrohen die Grundrechte und unsere Demokratie“, sagt Franziska Görlitz, Juristin und Verfahrenskoordinatorin bei der GFF. „Der Staat muss Menschen besser schützen, die ins Visier geraten, weil sie sich für Demokratie und Pressefreiheit einsetzen.“

Bisher fehlt in Deutschland ein wirksames, staatliches Schwachstellenmanagement: Ein solches System muss dafür sorgen, dass staatliche Stellen, etwa die Polizei, besonders gefährliche Software-Lücken melden und zügig schließen. Bleiben Sicherheitslücken offen und werden für staatliche Überwachungsmaßnahmen genutzt, ist die digitale Sicherheit aller Bürger*innen gefährdet. Die GFF setzt sich mit der SpywareShield-Initiative in Deutschland und Europa dafür ein, den Einsatz und die Verbreitung von Spionagesoftware zu beschränken.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Fallseite.

Bei Rückfragen wenden Sie sich an:
Dr. Maria Scharlau
presse@freiheitsrechte.org
Tel. 030/549 08 10 55

Grundrechte verteidigen.